Waffen- und Rüstungstechnik

Die Entwicklung der Panzerrüstung in Europa

 

Die Worte „Rüstung“ und „Mittelalter“ assoziiert man häufig mit dem Bild des Ritters hoch zu Ross in Strahlender Plattenrüstung. Diese erschien jedoch erst um das 13. Jahrhundert herum. Im Früh- und Hochmittelalter war in Westeuropa jedoch das Kettenhemd das Maß aller Dinge. Zeitgleich entwickelte sich im Orient der Schuppenpanzer, der jedoch nur selten in der westlichen Militärtechnik eingesetzt wurde. Im Spätmittelalter griff man historische Rüstungsarten durch Platten wieder auf.

Das Kettenhemd

 

Das Kettenhemd (oder auch Ringpanzerhemd, Brünne oder lat. Lorica hamata) wird das erste mal um 300 v. Chr. in einem keltischen Grab im heutigen Rumänien greifbar. Von da aus gelangte es vermutlich als Beute in germanische Gefilde, ohne jedoch groß übernommen worden zu sein. Die Bezeichnung „Brünne“ kommt wahrscheinlicher vom keltischen Wort bruin (Leib, Brust) als vom germanischen brinnan (blenden, brennen). Das Althochdeutsche Wort ist brunna.

Varro, ein römischer Historiker, untermauert die Ansicht, dass Kettenhemden typisch keltisch seien. Gegen das 2. Jahrhundert war die Brünne jedoch Standard für hohe römische Offiziere.

Zu dieser Zeit waren Kettenhemden oberschenkellang, später waren sie nur noch hüftlang, wodurch sich das Gewicht verringerte. Von dieser Reduktion kam man jedoch bald wieder ab.

Das Panzerhemd wurde gegürtet getragen, damit sich das Gewicht auf Hüfte und Schulter verteilt.

Die Ringe wurden gestanzt oder aus Draht gebogen.

Da die Brünne aufgrund der vielen ineinander verflochtenen Ringe flexibel ist, macht sie auch die meisten Bewegungen ihres Trägers mit.

Methoden zur Herstellung gab es verschiedene: entweder wurden die Ringenden stumpf zusammen gestoßen oder die Ringenden wurden platt geklopft und miteinander vernietet.

Der Kettenpanzer schütze den Träger in erster Linie vor Schnittverletzungen. Vor Schlägen mit wuchtigen Waffen wie z.B. Streitkolben schützte den Krieger ein gepolstertes Gewand aus Leinen und Filz, der später so genannte Gambeson. Weniger geeignet war das Panzerhemd jedoch zur Abwehr von Pfeilen und Armbrustbolzen.

Zur Zeit der Karolinger wurde das Kettenhemd nur noch von Reitern getragen und Karl der Große verfügte, dass jeder freie Mann im Falle eines Aufgebots sein Kettenhemd anzulegen hatte. Des weiteren legt die „Lex Salica“ fest, dass Brünnen und Waffen von Händlern nicht aus dem Sacrum Imperium herausgeführt werden durften.

Im 11. Jahrhundert war das Ringpanzerhemd knielang, geschlitzt, was das Reiter erleichterte, langärmlig und hatte eine angesetzte Kapuze. Dazu wurde ein konischer Nasalhelm getragen.

Im 12. Jahrhundert verlängerten sich die Ärmel nochmal, um in Handschuhen zu enden und so einen Schutz für die Hände zu bieten.

 

Der Plattenpanzer

 Das Armzeug

War es in der Antike Sitte die Arme durch Eisen oder Bronze zu schützen, so war dies im Frühmittelalter nur selten durch das Kettenhemd der Fall. Ein stark geführter Schlag mit Axt oder Schwert konnte also die Schulterpartie durchaus verletzten. Bis gegen ende des 13. Jahrhunderts hatte der Krieger hier nur seinen Schild zum Schutz. Um 1275 änderte sich dies in England und Frankreich mit dem aufkommen der Achselschilde, die allerdings nicht sehr Widerstandsfähig waren. Am Ende des 13. Jahrhunderts begann man dann damit, die Schultern mit einer Art quer verlaufenden Schiene zu schützen. Ab dem 14. Jahrhundert wird die Achsel durch halbkugelförmige Platten geschützt. Dadurch wurde aber der gehobene Arm aber nicht mehr vollkommen bedeckt, weshalb schon im 15. Jahrhundert die Achselstücke nochmal vergrößert wurden. Dies geschah auch im Rückenbereich und es entstanden bei dem Schulterpanzer Vorder- und Rückseite. Diese Rüstungen der Reiterei waren Asymmetrisch, da der Reiter auf der rechten Seite die Stangenwaffe einklemmte. Später kamen an diese Stelle die Schwebescheiben, um auch Schutz zu haben, wenn mit dem Schwert gefochten wurde. Diese erhielten sich teilweise bis Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Niedergang des Plattenharnisches. Als im 15. Jhd die Scheidung zwischen Harnischen der Söldner und des Adels merkbar wird, begannen die Ritter Brechränder zu entwickeln. Diese verlieren sich in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts allerdings wieder.

Um 1250 sehen wir Krieger, die mit einfachen Eisenschienen bemüht waren, die äußere Armseite zu sichern. Im 14. Jahrhundert vergrößerten sich die Schienen, es wurde immer mehr des Armes mit Eisen bedeckt und so entstand um 1350 die Armröhre. Die Oberarmröhren waren komplett geschlossen, während die Unterarmröhren allerdings teilweise geöffnet waren und erst durch Riemen und Schnallen geschlossen waren als der Träger bereits in den Arm hinein geschlüpft war.

Die Schwachpunkte an diesen Stellen wiederum wurden geschützt durch ein Panzerhemd oder durch an das Rüstwams angenähte Kettengeflecht. Die Plattner wollten aber auch hier den kompletten Schutz erreichen und entwickelten ein Geschübe. Dieses war allerdings nicht sehr weit verbreitet, ausser bei gewissen Turnierformen.

 

  1. Der Handschuh

Die Erfolge, die Hand ausreichend zu schützen waren bis in das 13. Jahrhundert mangelhaft. Am Anfang steckten die Hände noch in gefingerten Lederhandschuhen. Später, als das Kettenhemd erweitert wurde kam ein sackähnliches Ringgeflecht über die Hand, in der der Daumen separiert war um Schwert oder Speer zu greifen. Im 13. Jahrhundert kam in Frankreich eine neue Art des Handschutzes auf, welche jedoch nichts anderes war als die Lederhandschuhe die jetzt mit Eisenplättchen verstärkt wurden. Der immernoch ungenügende Schutz durch die Eisenplättchen war Grund, dass das Eisen nach der Form der Hand gebildet wurde, um noch mehr Fläche zu schützen. Die Finger selbst wurden nun durch schuppenförmig angeordnete Plättchen geschützt die aufgenäht waren. Eisenhandschuhe sind eine breite Platte, die nicht nur die vier Finger umschließt, sondern auch noch den Daumen schützt, welcher mittels Scharnier an der Rückenplatte der Hand befestigt ist. So finden wir am Anfang dieses Rüstzeugs, dem 15. Jhd die Tatsache, dass hier die Finger nicht einzeln, sondern zusammen unter einer Platte steckten. Diese Form des Panzerhandschuhs wird als Hentze bezeichnet. Im frühen 16. Jahrhundert entstand der Eisenhandschuh wie man ihn heute kennt. Die Finger sind wieder separiert und es wird mit Geschübe gearbeitet. Auch wurde die Verzierung immer aufwendiger. Um 1510 entstanden geriffelte Handschuhe, welche als maximilianische Bezeichnet werden, wie auch Torsopanzer. Die gefingerten Handschuhe treten häufiger in Erscheinung, während die Hentzen langsam aus dem Gebrauch verschwinden.

 

  1. Der Helm

Das bestreben der Waffenschmiede, ein wirksames Mittel gegen die Waffentechnik zu erschaffen, wird klar sichtbar bei der Betrachtung des Helmes. In Zeiten, in welchen Schwerter und Beile, Spieße und Fernwaffen wie Bögen und Schleudern bedeutender wurden hat sich der Helm vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit immer weiter entwickelt. Die ersten Kopfbedeckungen waren noch ein Vermächtnis aus römischer Zeit: ein kleiner Helm, genietet aus Eisen oder Bronze, mit kleiner Krempe. Bei den Germanen waren allerdings nur Vornehme mit einem Helm aus Eisen versehen. Diese bestanden aus Kupfer- oder Eisenspangen, welche mit Hornplatten verstärkt waren. Gegen ende des 8. Jahrhunderts wird die Krempe ausladender, es werden die Helme von Hochrangigen Kriegern immer noch mit einem Kamm getragen, wie er in der Antike üblich war.

 

Englische Funde zeigen im 10. Jahrhundert hohe, konische Helme, welche aus Eisenspangen bestanden und mit Leder verstärkt waren. Diese waren bei den Germanen allerdings nicht sehr weit verbreitet. Erst in der Mitte des 10. Jhd. Wird die Panzerung besser: Abbildungen zeigen nun einen aus Eisenplatten zusammengenieteten konischen Helm, unter dem eine Kettenhaube getragen wird. Ein erhaltenes Beispiel ist der Helm des heiligen Wenzel. Dieser ist allerdings auch einem Stück getrieben, was erst später durch Verbesserung der Verhüttungsmethoden üblich wurde. Die Schutzwirkung war nicht optimal aber der Nasalhelm hielt sich trotzdem teilweise bis ins 13. Jahrhundert. Im 12. Jahrhundert wurde fieberhaft Versucht, den Nasalhelm noch weiter zu verbessern. Das Naseneisen wurde somit länger und breiter, bis es schließlich eine ganze Platte von Eisen war, ein starres Visier.

In der Zeit des ersten und zweiten Kreuzzugs änderte sich die Helmform abermals: die Helme wurden nun zylindrischer und ausladender, womit sie jetzt nicht mehr auf dem Kopf auflagen. Das Gesicht war nun vollkommen von Metall bedeckt. Diese Helmform musste mit Sehschlitzen und Luftlöchern ausgestattet werden. Der Topfhelm erhielt sich in etlichen Formen vom 12. bis in das 14. Jahrhundert.

Der Topfhelm wurde anfangs über einer gepolsterten Bundhaube getragen, später aber über eine kleine Beckenhaube mit angebrachter Brünne.

Später ging man dazu über, die Beckenhaube zu vergrößern, so dass sie bis in den Nacken hinein reichte. Um 1400 kam das Klappvisier an diesen Helmtyp. Da das Visier seiner Form nach spitz getrieben war, nannte man diesen Helm Hundsgugel.

Der Kopfschutz des Adels unterschied sich von dem des einfachen Volkes. So trugen Leibeigene und Söldner vom 12. bis ins 16. Jhd einfache Eisenhüte, wobei die Krempe mal breiter und mal schmal, oder aber auch das Gesicht schützend, nach unten gezogen sein konnte. Sie erfreute sich bis um 1520 in den riesigen Heeren der Landsknechte als leichte Haube und Sonnenschutz.

 

                                                  Der Plattenharnisch

So wie andere Rüstungsteile entwickelte sich der Brustharnisch auch dadurch, dass anfangs Eisenplatten zur Verstärkung auf ein Lederwams aufgenäht wurden. Dies bot bei Streckbewegungen jedoch keinen ausreichenden Schutz. Daher wurde das Geschübe entwickelt, bei dem sich die Eisenplatten überlappten und trotzdem beweglich waren. So entstand auch der Brustharnisch. Zuerst waren es komplette Platten, die mittels Riemenschnürung um den Oberkörper befestigt wurden. Um 1430 waren auch noch in Italien die wenigsten Panzer ein Geschübe aus zwei Teilen. Zu dieser Zeit sind Brust- und Rückenteil eher kugelförmig und die Ärmel weit ausgeschnitten, da man eher auf stark gepolsterte Ärmel setzte als auf eisernes Armzeug.

 

(kauderwelsch auf seite 87)

 

                                                         Das Beinzeug

Als die Beine durch Kettengeflecht geschützt wurden, kam man um das 13. Jhd. darauf, dass die Knie noch nicht gut geschützt seien. Deshalb nietete man auf einen Lederstreifen eine Eisenplatte die die erste Kniescheibe bildete. Da das Ringpanzerhemd die Oberschenkel nur leidlich schütze und der Lederstreifen an der Kniescheibe nicht elastisch genug war, wurde um 1270 ein Geschübe entworfen welches mit Lederriemen festgeschnallt wurde und den Oberschenkel bedeckte (Diechlinge). Im 14. Jahrhundert wurde das Kettenhemd noch kürzer und dafür der Diechling länger. Anfangs war das Eisen nur aussen angebracht, da die Beininnenseite im Sattel anlag.

Der Unterschenkel wurde anfangs mit einfachen Streifen von Eisen umhüllt, diese wurden mit der Zeit allerdings breiter, so dass sie den Unterschenkel schließlich komplett umfassten.

Für Turniere und Feldkämpfe zu Ross waren die Kniebeugen offen, für den Kampf zu Fuß war das Bein komplett ummantelt.

Die Landsknechte setzten auf „halbe Harnische“, da das schwere Beinzeug beim Marsch behinderte.

 
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